Demnach sind die jetzt nachgedrehten Filmszenen auch als Beispiel gedacht, das zeigt, was funktionieren kann?
Sie sind ein Stück weit ein Zeichen, dass wir immer noch da sind und weiterhin für die gleiche gute Sache kämpfen. Und jeder unserer Kunden, der mit uns „kämpft“ – indem er Energie über uns bezieht oder uns weiterempfiehlt – arbeitet mit daran.
Guckt man in Statistiken des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2010, war Braunkohle damals Haupt-Energieträger der Stromerzeugung in Deutschland. Inzwischen liegt die Windenergie nach den 15 Jahren, die seither vergangen sind, auf dem ersten Platz. Zeigt das nicht, dass die Entwicklung, die in Ihrem Unternehmen stattgefunden hat, genauso gesamtgesellschaftlich läuft?
Ja. 2010 war noch Kernenergie nach der Braunkohle auf Platz zwei, Steinkohle auf Platz drei und Erdgas auf Platz vier! Heute ist Windenergie, wie Sie sagen, Platz 1. Und die Photovoltaik dürfte 2025 die Braunkohle überholt haben und ebenso das Erdgas. Solche Entwicklungen machen einfach Hoffnung! Aber Stromerzeugung ist das eine – zur Energiewende gehören gleichermaßen eine Verkehrswende und der Umbau im Gebäudeenergiesektor. Beim Verkehr haben sich leider Lobbyisten durchgesetzt, und nicht die Wissenschaft.
Wie meinen Sie das?
Es ist doch beispielsweise verplemperte Zeit, über ein „Verbrenneraus“ zu diskutieren! Ein Verbrenneraus ist Quatsch. Postkutschen und Dampfloks wurden nie verboten, aber sie sind trotzdem verschwunden, weil sie einfach durch bessere Technologien abgelöst wurden. Die einst so geschätzte Handymarke „Nokia“ ist nie verboten worden, sondern durch modernere Smartphones überflüssig geworden.
Doch die erneuerbaren Energien stehen im Ruf, die Herstellungskosten zu verteuern und international zum Wettbewerbsnachteil für Deutschland zu führen. Sie arbeiten im IHK-Industrieausschuss mit: Ist es wirtschaftlich überhaupt dauerhaft möglich, als „Westerwälder Holzwerke“ (WWHW) auf ökologische Produktionsverfahren zu setzen und sich dennoch gegen internationale Wettbewerber durchzusetzen, die ebenfalls Holz in Deutschland verkaufen?
Wir haben inzwischen sogar einen Wettbewerbsvorteil durch Erneuerbare!
Wie das?
Weil wir schon so weit sind, die Investitionen längst getätigt haben, die anderen noch bevorstehen. Mit unserem Großspeicher zum Beispiel: Die Batterie wird erweitert. Wir werden ab Januar zusätzlich fünf Megawattstunden Kapazität hinzubekommen (Anm. d. Red.: bislang gibt es bereits 1,4 Megawattstunden), um noch besser zu werden. Diesen Schritt muss man eben gehen, denn wenn man nicht losgeht, kommt man nicht an. Wir sind halt früher gestartet, aber ich möchte auch andere animieren, mitzumachen. Denn Sonne und Wind sind heimische und krisenfeste Energiequellen.
Seit der ersten Filmfassung sind wie geschildert 15 Jahre vergangen. Was sehen wir in einer dritten Filmversion, wenn Sie das Video in 15 Jahren abermals aktualisieren würden?
Dann habe ich garantiert keine Haare mehr! Es ist ja schon ein bisschen dünner geworden… (lacht) Ich hoffe, dass ich in 15 Jahren noch agil sehen kann, wie sich das Unternehmen weiter entwickelt hat. Ich bin der festen Überzeugung, dass niemand den Menschen vorschreiben kann, wann und wie viel Urlaub sie machen sollen, wofür sie ihr Geld ausgeben, wohin sie fliegen. Wir müssen die Rahmenbedingungen so gestalten, dass wir grundsätzlich grüne, heimische Energie bevorzugen. Einfach kostenorientiert – erneuerbarer Strom ist heute viel günstiger als fossiler Strom, auch volkswirtschaftlich betrachtet. Da ist der Gesetzgeber gefragt: „Steuern“ kommt ja von lenken, und wenn man über ein Steuersystem etwas lenkt, kann man entsprechend ansetzen.
Wie konkret?
Nicht Flugtickets weniger besteuern, sondern Bahntickets über einen reduzierten Mehrwertsteuersatz verbilligen. Man muss auch Maßnahmen wie das bidirektionale Laden staatlich freischalten. So dass jeder, der möchte, seinen Elektro-Pkw als heimischen Speicher nutzen kann und den Strom, den er tagsüber irgendwo auf einem Parkplatz „eingesammelt“ hat, mit nach Hause nehmen und da verwenden kann.
Sind Sie auf die Aussagen, die Sie mit den MANN-Filmen treffen wollen, eigentlich angesprochen worden, von anderen Unternehmern etwa?